Entwicklungspolitische Bildungsarbeit

Themenschwerpunkte 2019

Im Jahr 2019 widmet sich die DIZ in ihrer entwicklungspolitischen Bildungsarbeit zwei Themen: der Situation von Frauen und Mädchen in Indien und dem Themenfeld Umwelt, Landwirtschaft und Klimawandel in Bezug auf Indien.

Stärkung von Frauen und Mädchen in Indien

Nach wie vor werden Frauen und Mädchen in Indien in vielerlei Hinsicht diskriminiert. Das beginnt bereits vor der Geburt: Viele weibliche Föten werden trotz Verbots abgetrieben. Mädchen bekommen häufig noch immer nicht die gleichen Bildungsmöglichkeiten wie Jungen, sie werden bei der medizinischen Versorgung benachteiligt, viele Mädchen und Frauen erleben Gewalt in Ehe und Familie. Die – seit 1961 verbotene – Mitgift stellt nach wie vor eine Einnahmequelle des Bräutigams dar. Im Widerspruch dazu steht die Tatsache, dass Frauen, besonders Mütter, in Indien nahezu wie Göttinnen verehrt werden.

Viele unserer Partner in Indien engagieren sich gemäß des in der Agenda 2030 festgelegten nachhaltigen Entwicklungsziels Nr. 5 „Geschlechtergleichheit“ für die Stärkung von Frauen und Mädchen, weshalb wir unseren Themenschwerpunkt eng mit konkreter Projektarbeit verknüpfen können. Unser indischer Ankerpartner, der Ecumenical Sangam in Nagpur, hat hier gleich mehrere Ansatzpunkte: einen Kindergarten, in dem Mädchen und Jungen gleichberechtigt lernen; eine Nähschule sowie die Ausbildung zu Dorfkrankenschwestern, die Frauen finanziell unabhängig machen; eine Frauenberatungsstelle, die bei gewaltsamen Familienkonflikten hilft und Frauen über ihre Rechte aufklärt.

Durch die Unterstützung der Projektpartner in Indien leistet die DIZ einen Beitrag dazu, das nachhaltige Entwicklungsziel der Geschlechtergleichheit zu erreichen. Aber wir möchten auch die Situation bei uns in den Blick nehmen, etwa in einer Diskussionsveranstaltung mit Referentinnen aus unterschiedlichen Herkunftsländern

Umwelt – Landwirtschaft – Klimawandel

Umweltschutz ist in Indien noch keine Selbstverständlichkeit. Viele Inderinnen und Inder leben in Armut – und deren größte Sorge sind nicht die Umweltverschmutzung oder der Klimawandel. Weil dies in vielen Ländern so ist, gehört die Herausforderung, Armut und Hunger weltweit zu beenden, zu den zentralen nachhaltigen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals, SDGs), die in der Agenda 2030 festgelegt wurden.

„Kein Hunger“ lautet SDG 2. Ernährungssicherheit, eine bessere Ernährung zu erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft zu fördern – zur Erreichung dieses Ziels trägt unser Projektpartner Ecumenical Sangam mit der nachhaltigen Landwirtschaft bei, die er in dem Dorf Bamhani nahe Nagpur praktiziert und lehrt. Nachhaltige Landwirtschaft hilft einerseits gegen den Hunger, ist aber auch eine Chance für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, sich von industriellen Agrarkonzernen und deren Kunstdünger und Pestiziden unabhängig zu machen.

Aber wie steht es um die Verantwortung des Globalen Nordens, wie gehen die internationalen Agrarkonzerne weltweit vor, wie wehren sich Kleinbäuerinnen und Kleinbauern gegen den Landraub und die Menschenrechtsverletzungen? Auch diese Zusammenhänge werden wir in unseren entwicklungspolitischen Veranstaltungen beleuchten.

Weitere Themen in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit sind die Herausforderungen des Klimawandels sowie das große Thema Umweltverschmutzung, die in Indien sehr viel sichtbarer ist als hierzulande, und staatlicherseits bekämpft wird. Das Thema Umweltverschmutzung hat kein eigenes zugeordnetes Entwicklungsziel, sondern es findet Eingang in viele andere Nachhaltigkeitsziele.

In Deutschland erlebten die Landwirtinnen und Landwirte im Sommer 2018 erstmals verheerende Auswirkungen, in Indien (und zahlreichen anderen Ländern) sind ausbleibender Regen, anhaltende Dürreperioden, Überschwemmungen und andere Katastrophen oft bitterer Alltag. Hier legen wir den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeitsziel 13, „Maßnahmen zum Klimaschutz“. Auch hier möchten wir in verschiedenen Formaten ins Gespräch darüber kommen, wie wir alle gemeinsam die Herausforderungen angehen und sie meistern können.

Themenschwerpunkte 2018

Im Jahr 2018 widmet sich die DIZ in ihrer entwicklungspolitischen Bildungsarbeit zwei Themen: den vergessenen Krankheiten und dem Engagement von Frauen in Indien.

Die vergessenen Krankheiten

Einerseits möchten wir uns passend zum BMZ-Projekt des Ecumenical Sangam zur Aufklärung bezüglich Lepra und Tuberkulose auch hier mit den vergessenen Krankheiten beschäftigen. Lepra und Tuberkulose gehören zu den vernachlässigten bzw. armutsbegünstigten Krankheiten, in deren Erforschung und Behandlung nur unzureichend investiert wird. Lepra beispielsweise ist eine der ältesten Infektionskrankheiten, die in Indien noch sehr verbreitet ist. Wir möchten zeigen, wie viele Menschen noch immer unter diesen vergessenen Krankheiten leiden, die hierzulande längst keine Rolle mehr spielen. Andererseits existiert gerade in Indien auch eine florierende High-Tech-Medizin mit besten Behandlungsmöglichkeiten, es besteht ein regelrechter Medizin-Tourismus in die guten Krankenhäuser des Landes – diejenigen, die es sich finanziell leisten können, sind bestens versorgt. Über diese bestehende und sich immer mehr öffnende Schere in der medizinischen Versorgung möchten wir ebenfalls diskutieren.

Das Engagement von Frauen in Indien

Die Situation der indischen Frauen ist ein Thema, das sowohl uns in der Projektzusammenarbeit, viel mehr aber noch unseren indischen Partnern tagtäglich begegnet. Die Stärkung der Frauen ist ein wichtiges Anliegen unserer Projektpartner, einerseits um die Entwicklung der Gesellschaft voranzutreiben, andererseits um den Frauen zu mehr Selbstbestimmung zu verhelfen und ihre Lebenssituation zu verbessern. Seit mehreren Jahren werden die sexuelle Gewalt gegen Frauen, ihre Ausbeutung und die Misshandlungen, die viele von ihnen erleben, in der breiten Öffentlichkeit in Indien diskutiert. Die Proteste nach mehreren Vergewaltigungen, die das Aufsehen der Medien und dann der Öffentlichkeit erregten, sind nicht abgeebbt. Diese gesellschaftliche Entwicklung wollen wir nachvollziehen und mehr darüber erfahren, ob die Proteste nach den Vergewaltigungen in den Jahren 2012 und 2013 Änderungen hervorgebracht haben. Zudem richten wir unser Augenmerk auf das Gefälle zwischen Stadt und Land – die Situation der Frauen in Großstädten stellt sich ganz anders dar als die der Frauen im ruralen Indien. Auf dem Land wissen viele Frauen oft kaum um ihre Rechte, die fortschrittliche indische Verfassung, die ihnen nahezu Gleichberechtigung zugesteht, nützt ihnen im Alltag nichts.